Sven Regener? Das ist doch der Sänger von Element Of Crime! Und Richard Pappik? Klar, der trommelt bei Element Of Crime. Hat nicht auch Ekki Busch immer mal wieder bei der Band Akkordeon gespielt? Richtig. Gemeinsam haben die drei Vollblutmusiker jetzt zwei Jazz-Alben aufgenommen. Kann das gut gehen? Absolut, denn Regener Pappik Busch ist nicht etwa ein Nebenprojekt von Element Of Crime, sondern mit exakt einem Bläser die kleinste Brass Band Deutschlands.

Lange bevor Sven Regener zu einem der originellsten Songtexter und Sänger des deutschen Sprachraums wurde, spielte er bereits Trompete. Bei Element Of Crime liess er immer wieder kleine Kostproben davon aufblitzen, aber diese Einlagen verraten nicht ansatzweise die Intensität, mit der er auf seinem Horn stetig neue Herausforderungen sucht. Im Gegenzug war es nur eine Frage der Zeit, bis die Trompete einen prominenteren Platz im Output des Sängers einforderte. Das Ergebnis dieses Pakts war „Ask Me Now“. Auslöser für die Rückbesinnung auf diese alte Liebe zwischen Sven Regener und seiner Trompete war im November 2011 die Beerdigung seines Trompetenlehrers Eckfrid von Knobelsdor in Bremen, auf der er seinem Mentor mit vielen Jazzmusikern ein Ständchen spielte. Das fühlte sich gut an, aber Regener merkte auch, dass er mit seinem Instrument noch nicht dort war, wo er sein wollte. Also übte er. „Ich wollte mal wieder was auf der Trompete machen“, erinnert er sich, „denn im Rock ist sie ja eher ein Stiefkind. Ich kann sie zwar ab und an bei Element Of Crime rausholen, aber im Verhältnis zu dem, was ich dort mit Gitarre und Texten mache, ist das fast nichts. Irgendwann sagte ich mir, es kann nicht sein, dass ich seit 45 Jahren Trompete spiele und bestenfalls mal hier oder da 20 Sekunden unterbringe.“ So nahmen die Dinge ihren Lauf. Statt sich die Tage mit Skalen und Intervallen um die Ohren zu schlagen, nahm er sich eine Reihe von Jazzstandards vor. Und – so einfach ist das manchmal im Leben – das machte ihm Spass. Mit Ekki Busch, der ganz nebenbei auch ein ausgezeichneter Jazz-Pianist ist, begann er diese Stücke im Duo zu spielen. Doch irgendwie fehlte da noch was. Um dem ganzen Unternehmen mehr rhythmischen Biss zu geben, musste ein Schlagzeuger her. Was lag da näher, als Richard Pappik zu fragen, mit dem beide Musiker ja ohnehin aufs Engste verbunden sind und der unter anderem als Krautrockmaschine bei Element of Crime einer der interessantesten und profiliertesten Schlagzeuger Deutschlands ist. Gemeinsam fanden die drei eine Ästhetik, bei der es überhaupt nicht um Soli, sondern ausschließlich um die Songs ging. Der Umstand, dass sie in Sachen Jazz in keiner Weise vorbelastet sind, spielte ihnen dabei freilich in die Karten. „Die Dreistigkeit des Ganzen ist vergleichbar mit Jazzmusikern, die plötzlich Pop spielen“, freut sich Regener immer noch. „Wir hatten gar nicht die Möglichkeit, uns ein Referenzsystem aufzubauen, weil wir das aus unserer Geschichte heraus überhaupt nicht haben, sondern griffen diese Stücke mit unseren eigenen Mitteln auf. Diese Kompositionen machen das einfach möglich.“