«Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glänzendsten Triumph», heisst es schon in der allerersten Rezension der neunten Symphonie, unmittelbar nach der Wiener Uraufführung vom 7. Mai 1824.

Beethovens Musik, Schillers Dichtung, diese einzigartige Synthese und ihre aus dem Geist des philosophischen Idealismus geborene Botschaft («Alle Menschen werden Brüder») haben zu keiner Zeit etwas von ihrer Anziehungskraft verloren – und sind heute vielleicht aktueller denn je. Kurzum: Zum Auftakt des Beethoven-Jahres 2020 ist die Neunte fraglos die erste Wahl. Fast wie ein Kontrapunkt dazu nimmt sich Liszts «Totentanz» aus, ein Variationenwerk über das mittelalterliche «Dies Irae». Bis heute besticht der Solopart dieses gewaltigen Werkes durch eine hypervirtuose Tastenshow, die sich Liszt als gefeierter Tastenvirtuose einst auf den Leib schrieb. Wie passend, dass mit dem jungen französischen Pianisten Alexandre Kantorow ein Pianist diesen Part übernimmt, der seinen jungen Jahren zum Trotz bereits als «Reinkarnation Liszts» gefeiert wird.