Der grosse Erfolg der vergangenen fünf Mitsingprojekte von «bern-singt...Messiah», «bern-singt...Die Schöpfung», «bern-singt...Stabat Mater», «bern-singt...Johannes Passion» und wiederum «bern-singt...Messiah» zeigt, dass die Form des Singalong auch in Bern seit einigen Jahren zu begeistern vermag. Die Freude und das grosse Können der Singenden begeisterten das Publikum wieder und wieder.

«Ein deutsches Requiem» von Johannes Brahms zählt zu den grössten Chorsymphonischen Werken überhaupt. Das diesjährige 6. Berner Mitsingkonzert nimmt diese Herausforderung an. 300 Sängerinnen und Sänger versammeln sich im neu restaurierten Berner Casino. Besonders an der Aufführung ist das Orchester ad hoc, welches auf historischen Instrumenten spielen wird. Die Bläser spielen allesamt auf romantischen Instrumenten. Dies lässt uns den Originalklang, wie er zu Brahms’ Lebenszeit geklungen haben könnte, näherbringen. Die originale Orchesterfassung hat Brahms übrigens für einen Chor von über 250 Sängern konzipiert.
Fast auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 18. Februar 1869 wurde die Endfassung des Requiems in Leipzig uraufgeführt. Publikum und Presse waren gleichermassen begeistert. Für den damals 35-jährigen Johannes Brahms bedeutete das den Durchbruch zum international anerkannten Komponisten. Und Clara Schumann notierte: „Es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig Anderes. Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar, erschütternd und besänftigend“.
Das Brahms-Requiem ist vorab eine Trauermusik, komponiert als Trostspender für die Hinterbliebenen. Alle, die mit dem Tod nahestehender Menschen konfrontiert sind, nehmen gespendeten Trost dankbar entgegen. Brahms, der die Bibeltexte selber ausgesucht hat, komponierte sein Werk aufgrund tiefgreifender eigener Verluste. Sein Kommentar nach Abschluss: „Ich habe meine Trauermusik vollendet als Seligpreisung der Leidtragenden. Ich habe nun Trost gefunden.“
Es mag an der Authentizität dieses Requiems liegen, dass es nach wie vor zu berühren vermag und auch heute noch so tröstlich zu Herzen geht.