Zurück in die Zukunft

Ein aktueller Baustellenbericht von Ivo Adam – unterschiedliche Varianten dieses Textes sind erschienen im: Zunftblatt Mauligen Geselle und als Kolumne in der Hotellerie Gastronomie Zeitung.

Das Casino ist für mich «back to the future». Einerseits setzen wir uns mit der Vergangenheit des Casinos auseinander und finden beim Umbau viele erwartete und unerwartete Spuren aus den Anfängen des Kulturhauses. Andererseits ist es das Ziel, den klassizistischen Bau fit für das laufende Jahrhundert zu machen und es auch zukünftigen Ansprüchen gerecht zu sanieren.

Anfangs 2018 ist der Rückbau quasi abgeschlossen. Das Casino ist bis auf den Stand von 1908 runtergeputzt (wobei geputzt nicht das Wort der Wahl ist. Es empfiehlt sich immer noch das Tragen einer Staubmaske!). Nun beginnt die punktuelle Wiederherstellung. Das ist ein kreativer Prozess, der schon vor Jahren mit der Bauplanung begonnen hat. Steht man im ausgehöhlten Restaurant, braucht es viel Vorstellungskraft, wie es hier in eineinhalb Jahren aussehen wird. Wir reden in den Kommissionen und mit den Bauherren viel über Materialen und Farben und versuchen, Reminiszenzen an die Vergangenheit und goldenen Jahre einzubauen. Das bedeutet: ursprüngliche Materialen und Farben ins «neue» Casino zu tragen. Eben Zurück in die Zukunft.

Das ausgehöhlte Restaurant: Noch braucht es viel Vorstellungskraft um sich ein gediegenes und gemütliches Dinner vorzustellen. (Bild: Simon Opladen)

Ein Beispiel: Im Casino wurde im Laufe der Zeit hie und da Korbgeflecht verwendet. Die Innenarchitektinnen haben nun Korb als Material prominent berücksichtigt. Dabei tauchen Fragen auf, die sich unsere Kollegen vor über 100 Jahren so nicht stellen mussten. Wie sind die hygienischen Anforderungen? Wie dauerhaft ist das Material? Darf es an Wänden verwendet werden? Ist es brennbar, ist es plastifiziert? Falls ja: ist das noch richtiges Korbgeflecht? Und falls nein: Wollen wir es trotzdem einsetzen?

Wie sehr Funktion und Gestaltung auseinanderlaufen können, sehen wir zur Zeit bei einem anderen Teilprojekt: einem Stuhl. Die neuen Bankettstühle – wir brauchen 2000 Stück davon – müssen bequem und schön sein. Soweit, so gut. Sie müssen auch dem optischen Gesamtkonzept entsprechen (sagen die Architekten und die Denkmalpflege). Sie müssen praktisch und stabil sein (sagt die Leiterin Events). Sie müssen aber trotzdem leicht sein (sagt der Hausdienst). Sie dürfen nicht «schwingen» (wünscht Herr Venzago). Sie müssen für Konzerte funktionieren (sagt der Leiter Kultur). Und für Bankette (füge ich an). Letztlich müssen sie bezahlbar sein (sagt die Burgergemeinde und der gesunde Menschenverstand). Die Lösung: wir kaufen keinen Stuhl, sondern lassen einen Stuhl entwickeln.

Die alten Stühle und viel Staub.
Die alten Stühle und viel Staub. Das Casino muss den neuen, passenden Stuhl nach vielen unterschiedlichen Bedürfnissen herstellen lassen. (Bild: Simon Opladen)

Ein weiteres Beispiel, dass zeigt, wie sehr die Arbeit im Casino «back to the future» ist:

Wir haben damit angefangen, in der Burgerbibliothek Bern nach Rezepten aus den letzten Jahrhunderten zu suchen. Am exklusiven Kitchentable werden dann jeweils 12 Personen eine lukullische Reise in die Vergangenheit des Kantons und der Stadt Berns machen – direkt in der Küche, präsentiert mit futuristischen, multimedialen Methoden.

Wir wissen zum Beispiel, dass die ersten Zitronen, die in der Stadt Bern auf den Markt kamen, zu einem Salat verarbeitet wurden. Salat? Nun gilt es, diesen Salat aufs heutige Geschmacksempfinden anzupassen. Und wer weiss: Vielleicht ist er dann in Zukunft wieder eine Tradition…